Leitartikel

Der Weg ist das Ziel

Von Alexandra Grossmann · 2017

Je kälter es zuhause wird, desto mehr zieht es Reisende in ferne und warme Länder.

Reiselust, Fernweh, Sehnsuchtsorte – die meisten von uns zieht es regelmässig fort,
ob auf den Golfplatz, in die Berge oder auf eine Kreuzfahrt. Wir haben für Sie die Trends für Herbst und Winter in der Saison 2017 gesammelt.

Die Tage werden länger, die Abende kühler, das Licht matter: kein Zweifel, Herbst und Winter stehen vor der Tür. Wollpullover und Winterjacken werden aus dem Schrank geholt, Shorts und Sommerkleider eingemottet – oder doch nicht? Ein paar Tage Urlaub nehmen, und noch schnell ab in die Sonne fliegen? Noch ist es warm in Griechenland, Spanien und Italien. Die Kanarischen Inseln locken ganzjährig mit mildem Klima, von den entfernten Reisezielen ganz zu schweigen. Tatsächlich sind die Kanaren laut Reiseveranstalter der Hotspot der Saison 2017. Bedingt durch die politischen Unruhen in Ägypten, Tunesien und in der Türkei rechnen Reiseveranstalter damit, dass die Inseln im Atlantik noch mehr Gäste anziehen als üblich. Reagiert haben sie bereits. DER Touristik hat zwei zusätzliche Vollcharter-Flüge aufgenommen, Alltours 50 weitere Hotels im Portfolio und TUI das gesamte Angebot um 40 Prozent erweitert. Entsprechend ziehen auch die Preise auf den Kanaren an.

Immer mehr Geld für Reisen

Fest steht: Reisen ist für die meisten Menschen das, was sie am liebsten tun. Für das Glück, auf Reisen zu gehen, verzichten die Schweizer auf manche Neuanschaffung und schränken sich auch im Alltag ein.
Dafür sind sie bereit, für den Urlaub einen hohen Preis zu zahlen: lagen die Ausgaben für den Haupturlaub laut Stiftung für Zukunftsfragen 2011 im Durchschnitt noch bei rund 1’160 Franken, waren es 2016 bereits 1’340 Franken. Dabei steigen die Ausgaben im Alter, Singles geben für ihre Ferienreisen mehr Geld aus als Familien, Grossstädter mehr als die Landbevölkerung, Männer mehr als Frauen. Wenn es hierzulande kälter wird, zieht es mehr Menschen hinaus – je kälter zuhause, desto ferner und wärmer die Ziele, die dann meist Badeorte sind. Bei TUI sind schon jetzt doppelt so viele Buchungen für Mauritius im Indischen Ozean eingegangen wie im vergangenen Jahr.
Auch Südafrika und Namibia legen bei den Reiseveranstaltern zu, ebenso wie Mosambik.
Auch Rundreisen in Lateinamerika stehen hoch im Kurs. Neue Reiseziele sind Uganda, Ruanda und Porto Santo sowie das Emirat Adschman und Myanmar. Letzteres allerdings dürfte angesichts der derzeitigen Krise nicht die Erwartungen der Veranstalter erfüllen.

Kanada, Kolumbien und Äthiopien im Trend

Nach den jüngsten Erhebungen des weltweit führenden Reiseverlags Lonely Planet stehen zehn Länder auf der Hitliste der Trends 2016. Zu ihnen zählt Kanada, das als zweitgrösstes Land der Erde nicht nur eine atemberaubende und abwechslungsreiche Wildnis bietet, sondern auch einen günstigen Wechselkurs, eine unkomplizierte Einreise und eine gute Infrastruktur. Auch Kolumbien ist ein lohnenswertes Ziel. Nach dem Ende des Zwistes zwischen der Guerillabewegung FARC und der Regierung erlebt das Land derzeit einen Aufschwung. Hier gibt es Strände und weissen Sand, lateinamerikanische Fröhlichkeit, warme Nächte und pittoreske Städte im Kolonialstil. Ähnlich wie auf Cuba ist hier das Erbe der Spanier gut erhalten – hier wird es nach den letzten Naturkatastrophen einiges Aufzuräumen geben, doch die Insel bleibt als Ziel beliebt. Für Reisefans steht laut Lonely Planet vor allem Nepal hoch im Kurs: Kathmandu hat auch nach den jüngsten Erdbeben mit seiner Architektur aus Steinhäusern und nepalesischer Lebensart nichts von seinem Charme verloren. Zu erwähnen sei noch Äthiopien, das als eines der grössten Reiche der Antike und Ursprungsland des Kaffees eine unverwechselbare Landschaft hat sowie eine eigene Schrift und Zeitrechnung.

Suche nach Kontrasten zum Alltag

Für welches all dieser Ziele sich Urlauber schliesslich entscheiden, hängt stark von der Zielgruppe ab. Pauschal gesehen tendieren jüngere Reisende zu ferneren Zielen: Jugendliche zieht es nach Neuseeland, Kanada und Asien, 40-Jährige reisen in die europäischen Regionen Toskana und Provence, Senioren bevorzugen Orte in der Nähe der Heimat wie Tirol oder das Tessin. Allen ist gemein, dass sie für kurze Trips gern in Städte fahren, die sie am liebsten auf eigenen Beinen erkunden. Auf welche Art Reisende sich am liebsten bewegen, hängt allein vom Geschmack ab. Das am stärksten wachsende Segment ist die Schifffahrt, längst sind Segel und Motto-Reisen auch für ein jüngeres Publikum interessant geworden. Golfreisen sind vielleicht eher bei Älteren beliebt, doch auch hier kommen zunehmend junge Menschen auf den Geschmack, ähnlich wie beim Wandern, das heute neudeutsch «Hiking» heisst. Alle wünschen sich auf Reisen, den Kontrast zum Alltag zu erleben. Dies spiegelt sich in der Suche nach fremder Kultur und Küche, nach Sinneseindrücken, Bewegung und Sonnenschein.