Wandererlebnis

Die Wunder dieser Welt entdecken

Von Alexandra Grossmann · 2017

Ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Fern von Städten und Menschenmengen entdecken immer mehr Reisende die Liebe zur Natur. Was früher Wandern war, ist heute Trend geworden – und heisst jetzt Hiking.

Vor rund zwei Jahren entdeckte Lars Wilck das Wandern für sich. Als studierter Biologe hatte er sich schon immer gern in der Natur aufgehalten, jetzt fand er hier Ruhe und einen Ausgleich zu seinem Leben als Familienvater und Software-Testmanager. «Das Besondere ist, dass man einen Status von Hochleistung erreicht, ohne zu ermüden», sagt er. «Der Geist wird frei beim Wandern, es entsteht ein Gefühl totaler Freiheit.» Wilck hat im Internet den Hike-Namen «Jetlag», wie viele andere postet er seine Erlebnisse und tauscht sich mit anderen aus.
Die Szene nennt das Wandern Hiking, Wanderer sind heute Hiker. Ein alter Sport im neuen Gewand, den nicht mehr gemächlich schreitende Senioren gehen, sondern trendige und dynamische Menschen, die ihre Liebe zu Heimat und Natur entdeckt haben. Ähnlich wie der Trend zu Nachhaltigkeit, ökologischem Essen und ökonomischem Umgang mit Ressourcen spiegelt das Hiking den Trend zur Besinnung auf das Nahe liegende. Viele Reisende gehen heute nicht mehr in die Ferne; sie erkunden lieber die Berglandschaften und Alpenseen der Schweiz. Dank modernster Technik und GPS sind Exkursionen in die entlegensten Teile des Landes heute problemlos möglich.

Die Wildnis braucht den Menschen nicht

Der Gindelwald etwa ist ein solches Ziel. Klettersteige und Wanderwege führen in die Chalets, eine Gondelbahn erleichtert den Weg zum Faulhorn, von wo aus es einen der schönsten Blicke der Schweiz zu geniessen gibt. Die Schönheit der Wildnis spricht alle Sinne an, auch im österreichischen Ultental, das ebenfalls als Geheimtipp gilt. Es liegt in den Bergen Südtirols und hat mit alten Gehöften und unberührter Natur seine Ursprünglichkeit bewahrt.
Eine Herausforderung für geübte Hiker ist der «Traumpfad», der von München über die Alpen nach Venedig führt. Es gilt, rund 550 Kilometer und 20’000 Höhenmeter zu überwinden, eine Strecke, die etwa einen Monat dauert und als einer der beeindruckendsten Wanderwege Europas gilt. Selbstverständlich ist es damit nicht getan; auch in Australien, Indien oder Neuseeland warten atemberaubende Strecken. Manager Wilck hat seinen eigenen Traumpfad gefunden: 2019 plant er, die amerikanische Westküste allein zu Fuss zu durchqueren. Das halbe Jahr Sabbatical ist bei seiner Firma bereits bewilligt.
Seine letzte Wanderung wird es nicht gewesen sein, sagte er: «Die Welt ist gross.»