Kreuzfahrten

Seefahrerlust trifft Sightseeing

Von Frank Wagner · 2017

© www.kreuzfahrt-photos.de

Auf der Touristikmesse FESPO in Zürich wurde bestätigt: Die Kreuzfahrtbranche boomt. Im Jahr 2017 rechnet man mit über 25 Millionen Passagieren. Bereits 2015 buchten allein 140’000 Schweizer eine Kreuzfahrt.

Wer gute Gewinne macht, kann auch neu investieren: Allein in diesem Jahr sollen weltweit elf neue Kreuzfahrtschiffe ihren Dienst aufnehmen. Für die Reisenden bedeutet das mehr Vielfalt und gute Angebote. Allerdings ist Kreuzfahrt nicht immer gleich Kreuzfahrt, und nicht jedes Segment profitiert im gleichem Masse. Der harte Konkurrenzkampf führt auch dazu, dass etwa klassische Kreuzfahrten auf älteren und kleineren Schiffen es perspektivisch schwer haben, mitzuhalten. Wie bei vielen anderen Produkten ist das Bedienen ganz verschiedener Zielgruppen ein Schlüssel zum Verkaufserfolg. Lohnende Routen gibt es ohnehin weltweit, in Kombination mit einer Flugreise sind auch Kreuzfahrten in der Karibik, dem Indischen Ozean und Pazifik längst kein Problem mehr, selbst Weltreisen werden immer häufiger als Kreuzfahrt gebucht. Was die beliebtesten europäischen Routen angeht, so erfreuen sich nach wie vor sowohl die verschiedenen Mittelmeer-Kreuzfahrten, Ostsee-Kreuzfahrten als auch Touren in Europas Norden (Nordlandfahrten) grosser Beliebtheit. Von der 3-tägigen Schnupper-Tour bis zur mehrwöchigen Reise ist – je nach Route – beinah alles ist im Angebot. Auch gibt es inzwischen sehr spezialisierte Kreuzfahrten, beispielsweise für Freunde des gepflegten Glücksspiels, Weintrinker, Musikfreunde, Feinschmecker oder FKK-Fans.

Abschied vom Senioren-Dampfer

Die Branche hat es auch längst nicht mehr nur mit dem einst typischen Rentnerpublikum zu tun. Auf der einen Seite entsprechen auch die Interessen vieler Best-Ager heute nicht mehr dem einstigen Bild. Zum anderen kommt ein zentraler und klassischer Aspekt des Kreuzfahrtkonzepts auch vielen anderen Urlaubergruppen sehr entgegen: die Verbindung eines typischen Pauschalurlaubs mit dem Reiz des Globetrottens. Die Möglichkeit, sich inmitten der Elemente der Natur wohlzufühlen und dabei ohne ständiges Kofferpacken fast täglich neue Orte zu sehen. Damit kann kaum ein Hotelurlaub konkurrieren. Seit die Preise insgesamt bezahlbarer geworden sind, entdecken auch reiselustige junge Paare oder Familien den mobilen Pauschalurlaub. Gerade auf den grossen Schiffen gibt es unzählige auf Kinder abgestimmte Freizeitangebote, was auch die Eltern freut. Auch vom Job gestresste Berufstätige und Alleinreisende hoffen auf eine entspannte Auszeit oder nette Reisebekanntschaften. Letzterer Aspekt galt übrigens neben Fernweh und Entdeckerdrang schon bei den allerersten Kreuzfahrten vor über hundert Jahren als wichtiger Anreiz für eine Kreuzfahrt. 

Schwimmender Freizeitpark vs. zeitgemässer Luxus

Was die Entdeckerlust angeht, so wird der eine oder andere wohl relativieren. Denn es braucht schon ein wenig Fantasie, sich bei einigen Tausend Mitreisenden noch wie ein romantischer Seefahrer zu fühlen, der sich erwartungsvoll neuem zuwendet. Dennoch: Selbst wenn den meisten modernen Kreuzfahrern auch die exotischsten Destinationen mindestens aus den Medien bekannt sein dürften, es ist schon etwas Besonderes, wenn nach vielen Stunden auf dem Meer plötzlich wieder Land am Horizont auftaucht: Von der Seeseite aus erscheint selbst eine bekannte Stadt doch wieder ganz neu. Im Trend bleiben die immer grösseren Schiffe, die wie schwimmende Neubaublocks mit angeschlossenem Freizeitpark aussehen und auch genau so funktionieren. Veranstalter, die pro Schiff bis zu 6'000 zahlende Reisende aufnehmen können, haben bei der Kalkulation der Preise einfach besondere Möglichkeiten. Gerade Kreuzfahrt-Fans, die mehr Wert auf Spiel, Sport und Action legen als auf das Reisen selbst oder fremde Kulturen kommen solche Gesamtpakete sehr entgegen. Eine typische siebentägige Mittelmeerreise kann man hier – je nach Reisezeit und Kategorie – bereits ab etwa 130 Franken pro Person und Reisetag buchen, An- und Abreise im Flugzeug bereits eingeschlossen. Hier handelt es sich jedoch nicht um eine klassische Luxuskreuzfahrt. Wer Komfort auf höchstem Niveau will, kann leicht das vier- bis fünffache für eine ähnliche Route berappen. 

Nicht am falschen Ende sparen

Je günstiger Kreuzfahrten angeboten werden und je mehr die Schiffe auch einen Massengeschmack bedienen müssen, desto eher besteht natürlich die Gefahr, dass es hier und da an Qualität, zumindest aber an Exzellenz und Anspruch mangelt. Glaubt man den verschiedenen Schiffstestern in den alten und neuen Medien, gibt es jedoch zumindest bei den grossen und namhaften Anbietern nach wie vor ein passables Preis-Leistungsverhältnis, was Verpflegung, Sauberkeit und Service angeht. Angebote gibt es inzwischen wirklich «von-bis», für fast jeden Geldbeutel und auch beinahe jeden Geschmack.
Letztlich muss der Kunde selbst entscheiden, wie viel Luxus er persönlich braucht. Genügen ihm die kulinarischen Angebote der zeitweise auch mal mehr als sehr gut gefüllten Buffet-Restaurants, wie sie auf vielen grösseren Schiffen üblich sind, oder gehört für ihn eine gehobene Gastronomie mit erstklassigem Service dazu – so wie es bei den klassischen Kreuzfahrten einst zum Standard gehörte. Genauso wichtig ist die Frage nach der richtigen Kabine. Es gibt nicht wenig Reisende, denen die räumlichen Einschränkungen einer zwar preiswerteren, aber eben fensterlosen kleinen Innenkabine nach ein paar Tagen auf See dann doch auf die Seele schlagen. Die Menschen sind gerade in diesen Dingen sehr verschieden, und nicht jedes günstige Angebot ist auch für jeden ein gutes. Wer mehr braucht und es sich leisten kann, sollte auch etwas mehr investieren. Grundsätzlich sollte jedem Kreuzfahrer klar sein: Eine rundum gute Versorgung hat nun mal ihren Preis. Um ein böses Erwachen am Ende der Reise zu verhindern, sollte sich man sich ausserdem immer gründlich informieren, welche Leistungen tatsächlich inkludiert sind und welche Dinge am Ende der Reise extra abgerechnet werden. Dies gilt auf vielen grossen Schiffen zum Beispiel häufig für einige gehobene Restaurants und Bars.